20 November 2021

Geschichten aus der Hamsterradhölle

Die Welt, wie sie heute ist und wie ich aus dem Schwimmbad rausgeworfen wurde.

Lieber Alex,

düstere Zeiten haben begonnen. Um mich auf gar keinen Fall wieder so gehen zu lassen wie bei der ersten, zweiten und dritten Pademiewelle, habe ich mir schon ein konkretes Sportprogramm überlegt. Gestern war Schwimmen dran. Gern gehe ich in eine gut erhaltene öffentliche Schwimmhalle in meiner Nähe. Nichts Besonderes, 25m kurze Bahnen. Zwei Schnellschwimmerbahnen, ein Haarspraybecken und ein Nichtschwimmer.

Was ist denn ein Haarspraybecken ?

fragen alle, die nicht in deutsche Hallenbäder gehen. In Australien zum Beispiel gibt es sowas nicht. Da gibt es Becken für Schwimmende. Nur Bahnen oder ein Sprungbecken oder in einer Schwimmschule eben Lernbecken. Schnelle und langsame Schwimmer finden in den Bahnen der australischen Bäder zueinander und schwimmen quasi immer in der Runde in ihrem Becken. Down under natürlich gegen den Uhrzeigersinn. In Deutschland gibt es für den Breitensport, und das nicht auf die Statur bezogen, der schlechte Wortwitz musste da mal rein, meist nur kleine Becken in denen maximal zwei Bahnen abgetrennt sind. In dem restlichen Teil des Beckens herrscht Sodom und Gomorra, das Recht des Unverschämten oder Purge. Hast Du den Film schon mal gesehen? Da dürfen alle für einen Tag alles machen, wozu sie schon immer mal Lust hatten. Keine Gesetze, Mord und Todschlag sind erlaubt und werden nicht geahndet. Völliger Scheiß, da vollkommen unrealistisch. Dachte ich bis gestern.

Also gestern waren die zwei Bahnen für die Schnellschwimmer sehr voll und auch schon durchwachsen befüllt. Du musst nämlich wissen, dass Männer unter 70 grundsätzlich nicht in das Haarspraybecken gehen, dabei ist es ohne Belang, ob sie wirklich schwimmen können oder einfach nur nicht ertrinken, weil sie sich durch nicht gerade sportliche Bewegungen am Untergehen hindern. Wahrscheinlich ist der Mangel an Haaren die fehlende Schnittmenge, die sie daran hindert sich ihren Fähigkeiten entsprechend einzusortieren. Das Haarspraybecken ist, musst Du wissen, ausschließlich für ältere Damen reserviert, die nach dem Schwimmen ohne Fön mit perfekt gelegten Haaren zum Kaffeekränzchen gehen wollen oder zum Aldi.

Innerhalb der Bahnen für gute Schwimmer gibt es strenge, aber doch sinnvolle regeln. Es wird im Uhrzeigersinn geschwommen. Wer zu langsam ist, über den wird drüber gekrault. Gefühlt befinden sich Köpfe in gleicher Zeitspanne unter Wasser wie über Wasser. Es wird nicht am Rand rumgestanden, dafür sind die Ecken da. Im gegenseitigen Einvernehmen wird hier ein work-out absolviert. Man meckert nicht, erträgt die langsamen, wenn es sein muss und ist meistens nach einer Stunde fertig.

Aber an diesem Tag hatte ich einfach keine Lust auf diesen Druck. Ich muss mich nämlich wirklich anstrengen, um da einigermaßen mit halten zu können.

Scheinbar hat jeder oder jede in meinem Alter schon mal hier im Osten Berlins für Olympia trainiert

und ich gehöre nun mal zu den Breitensportlern, mit Corona auch im körperlichem Sinn.

Ich war nicht ganz auf der Höhe und wollte eigentlich nur meinen Rücken entspannen und manchmal schwimme ich mich je im „Ich werde auf keinem Fall meine Haare mit Wasser in Berührung bringen Becken“ warm. Im Zick-zack-Kurs schwamm ich langsam durch das Becken. Nach 10 Minuten wurde mir das mehr als zu langweilig. Schon als ich noch sehr jung war, bin ich Strecken gelaufen, weil mir das Gehen zu lange gedauert hat. Ein wirklich geduldiger Mensch war ich nie. Aber ich schweife ja schon wieder ab. Ich hatte plötzlich freie Bahn, da es zu einer Rottenbildung an der Kopfseite des Beckens kam. Mein erster Gedanke war eigentlich: Ist das überhaupt erlaubt, so nah. Aber dem Alter nach waren alle bestimmt schon das dritte Mal geimpft. Der zweite Gedanke: Oh, Platz zum Rückenschwimmen. Machen die älteren Herrschaften und Damenschaften ja auch, nur gucken die vorher nicht. Und die Arme bekommt man ja in dem Alter ja kaum noch über den Kopf. So ist das Rückenschwimmen eher so ein im Wasser Sitzen und man hat noch zusätzlich die Gelegenheit mit den anderen in der Reihe ein kleines Schwätzchen zu halten. Gern wird hier nebeneinander geschwommen. So wie auf der Autobahn, wo sich alle um den Fahrer auf dem Mittelstreifen versammeln. Also die Bahn dichtgemacht. Da muss man schon tauchen können. So schlimm war es gestern nicht.

Ich also auf der freien Bahn los. Gaaaaanz langsam. Und rums gegen jemanden gestoßen. Hab dann noch einen Tritt in die Magengrube bekommen. Dachte die Frau ertrinkt und zappelt drum. Und wo war die noch vor 30 Sekunden? Ich murmle eine Entschuldigung und schwimme ohne die Arme zu bewegen weiter. Nächste Runde. Bahn frei. Fast die gleiche Situation nur diesmal das Bein in die Seite. Und von beiden Seiten. Ich bin ein großes Fragezeichen. Naja, keine Ahnung bin ja bald auch fertig. Nochmal Brust in die eine Richtung und dann zurück auf dem Rücken ohne die Arme zu bewegen zum Ausschwimmen. So der Plan. Beim Brustschwimmen queren mir zwei Damen den Weg. Kann man ja drum rumschwimmen. Zusätzliches Work-out ist immer willkommen. Auf dem Rückweg krallen sich plötzlich knochige Finger in meinen Kopf und versuchen mich unter Wasser zu drücken. Ein kurzer Moment der Orientierungslosigkeit. Bin ich in einem Albtraum gefangen und Freddy versucht mich zur Halloween zu ertränken? Die richtige Jahreszeit hätten wir. Ne, bin ja im Rentnerbad und schon seit Stunden wach, erinnere ich mich. Ich drehe mich um, um zu schauen, wem die skelettartige Hand gehört. Bordeauxfarbene Haare schauen mich an und fauchen: Warum gehen sie nicht da drüben schwimmen? Sie stören hier. Die blonde Frisur daneben nickt. Und ich denke: Ey, Mädels ihr müsst mal wieder nachfärben. Sieht scheiße aus. Ich merke aber schnell, dass es nicht um eine Stilberatung geht, sondern ……KEINE AHNUNG. WTF sollte das? Ich gucke von einer zur anderen. Und frage: Was jetzt? Das verrunzelte Bordeauxgesicht giftet: Dann tauche ich ihren Kopf nochmal runter. Hm, habe ich das erste Mal verpasst? Konnte mich nicht erinnern, unter Wasser gewesen zu sein. Ich: Ich könnte Sie beide auch gleichzeitig döppen.

Döppen. Ein Wort aus meiner Kindheit, aus dem Ruhrgebiet, bedeutet …Döppen, das…jemanden, ohne dessen Zustimmung mit Gewalt mit der Hand Kopf unter Wasser zu drücken, in der Regel ist die Döpperin stärker als die Gedöppte.

Ab hier hängt die Geschichte ein wenig. Ich könnte schreiben, was anschließend wirklich passierte. Das wäre aber nicht witzig. Mit meinen Geschichten aus der Hamsterradhölle möchte ich Dich gern zum Lachen bringen oder mindestens zum Schmunzeln. Also hier die möglichen Varianten.

In meinem Kopfkino nahm ich ein wenig Schwung und packte beide Frisuren und hielt sie unter Wasser bis sie zu zappeln aufhörten. Ist auch nicht lustig, entspannt aber ein wenig, wie alle Mordfantasien.

Im nächsten Kopfkino gehe ich zum Bademeister, der sich sicherlich schon gewundert hat, was da im Wasser passiert, und beschwere mich. Er glaubt mir nicht und verweist mich mit bellenden Ton aus dem Bad. Droht mit der Polizei und Hausverbot, weil ich nicht genügend Abstand zu seinem ungeimpften Körper halte. Ich verlasse das Bad, dass Johlen aus dem Haarspraybecken hallt in meinem Kopf.

Das letzte Kopfkino zeigt mich mit viel Anlauf in das Haarspraybeckenbecken springen. Mein Leben zieht in meinem inneren Auge an mir vorbei. Arschbombe in die Mitte des Beckens. Alle Haare nass.  Bademeister schreit: Das ist aber nicht erlaubt. Ich gehe, um nie wieder zu kommen. Ende der Geschichte.

Bis Bald

Deine immer noch lachende Beate

P.S. Ich denk an Dich

 

 

 

14 November 2021

Kurze und graue Tage haben begonnen

Ja jetzt hat sie uns, die kalte Jahreszeit und trübe Zeit. Es ist kalt und grau draußen, die Motivation nach draußen mich gehen ist beim Blick aus dem Fenster ein wahrer Kampf. Zudem sehen wir uns weiter in einer Situation, in der das Virus wieder tief in unser Leben einmischt. Erfahrungen des letzten Winters konnten nicht helfen, das zu verhindern, was nun viel schlimmer ist als im letzten Jahr. Söder sprach die Woche von zwei Viren, dem des Corona und dem des Menschlichen Virus aus Impfgegnern und Verschwörungstheorien Soldaten. Was er dabei vergisst, ist es ist ja auch eine Politik, die u. seine Partei über 16 Jahre gesteuert hat und eine vielfache Frustration erschaffen hat bei vielen Bürgern. Dass die dann irgendwann sich an den falschen Strohhalm wenden und eine Gefahr für den Rest darstellt, war dann auch nur eine Frage der Zeit.

Jetzt versucht sich nach vielen Jahren eine neue Politische Kanzlerschaft die nächsten 4 Jahre zumindest, ob diese der neue Weg geht, um dieses Land zu verbessern ist ungewiss. Eine dynamische Politik sehe ich nicht kommen. Da ist das Virus wohl um einiges dynamischer bei seiner weiteren Entwicklung. So sehe ich dann auch wieder einen Lockdown kommen und einige Wintermonate auf der Couch, mit meinen alten bekannten Netflix, Amazon TV und der Chipstüte.

Ab morgen sind es noch 40 Tage bis Weihnachten, da muss ich dir sagen ich bin der leibhaftige Grinch. Ich habe in den vielen vergangenen Jahren, nur wenige Weihnachten erfreulich verbracht. Deshalb bin ich auch immer wieder froh, wenn das Fest dann ganz schnell wieder zu Ende ist. Der Weg vom 1. Dezember bis zum 24. gestaltet sich ja meist auch durch Stress und Geld in Geschenken umwandeln und die ruhigen Tage finden ja auch nicht statt.

Weihnachten bedeutet für mich eher eine Woche versuchen Resümee zu ziehen und das Jahr langsam zu verabschieden. An die zu denken, die es nicht bis zu diesem Weihnachten geschafft haben aus den unterschiedlichsten Gründen. Ältere Menschen sagen immer wieder sie sind zufrieden mit ihrem Leben, aber es ging alles sehr schnell. Darum denke daran es geht jetzt schon sehr schnell, nutzt die Stunden und Tage mit Menschen die einem etwas wert sind.

Bevor ich weiter so grau und melancholisch schreibe, höre ich genau hier besser auf

Bis bald

Dein

Alex

 

P.S. Ich denk an Dich

8 November 2021

Postpandemische Hamster

Lieber Alex,

immer wieder muss ich an Hamster, die in einem Hamsterrad laufen, denken. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wenn ich gerade kurze Momente der Langeweile erlebe oder zeit- und energieraubende Aufgaben abgearbeitet habe, die nächsten To-do-Katastrophen vor der Tür Schlange stehen. Gern würde ich alle Abenteuer des Hamsterrades hier im vollem Sarkasmus niederschreiben, jedoch fehlt mir einfach die Zeit, weil das Hamsterrad sich weiterdrehen muss. Vielleicht im nächsten Leben.

Nächstes Leben, wenn ich mich sowas schreiben lese. Das Leben im Hier und Jetzt sollte alles sein, was wir brauchen, was wir in vollen Zügen genießen sollten.

Vielleicht hat die Schlange vor der Tür inzwischen den Hamster gefressen. Oh, welch eine schlechte Parabel aber zur viel mehr Kreativität bin ich doch meistens zu müde.

Das Drumherum ist so anstrengend geworden.

In diesem Jahr haben wir alle versucht Dinge nachzuholen, die wir im letzten Jahr versäumten, eingesperrt im Homeoffice ohne Kultur und Kneipe. Und: Welch Wunder! Es hat nicht funktioniert. Wir können nicht doppelt so viel arbeiten oder erleben. Schon gar nicht nach diesem Stillstand. Das Hamsterrad ist eingerostet. Alkohol schmiert nicht. Nur kleine freudige Dinge sind wie Öl. Ballistol für die Seele. Rechtzeitig muss nachgeölt werden, sonst kommt es zum Stillstand.

Ich habe die ganze Zeit das Gefühl auf der Flucht zu sein, ohne verfolgt zu werden, ohne jemals irgendwo anzukommen. Eben wie der Hamster. Aber das Rad dreht sich zumindest noch.

Es erwarten Dich bald Geschichten aus dem Hamsterrad.

Gehetzt auf eine Antwort wartend, Deine Beate

 

P.S. Ich denk an Dich

19 Oktober 2021

Monate ohne einen Brief von Dir

Liebe Beate,

Monate warte ich nun schon verzweifelnd auf einen Brief von Dir, selbst den Zugang zu Deiner Dropbox hast Du mir verwehrt. Du sagtest, Du musst viel arbeiten, aber finden sich da nicht ein paar Minuten und Zeilen für mich?

Es passierte ja schon vor mehr als einem Jahr, aber witzig ist ja zu sehen, wie Anfang 2000 die Panzerglasscheiben in Post- und Bankenfilialen abgeschafft wurden und der Kunde näher zum Berater rückte. Jetzt haben wir in Geschäften und Banken wieder Scheiben, diesmal aus Plexiglas. Wobei ich gerade feststelle, ich war schon jahrelang nicht mehr in einer Bank am Schalter. Auf dem Land sterben nicht nur die kleinen Läden und Bauernhöfe weg, sondern auch die Bankfilialen. Letzteres wird natürlich durch die Generation eBanking nicht mehr so genutzt, als dies in den 80er Jahren noch war. Auch weil heute eben Opa und Omi auch schon im World Wide Web dabei sind. Die Bank ist jetzt per E-Mail, Telefon oder Chatbot erreichbar. Dies vermittelt den Eindruck, als ob die Bank pausenlos im Einsatz ist für einen, um Dich zu beraten. Das stimmt natürlich nicht ganz, auch die Banken haben vom größten Internetkonzern Deutschlands gelernt. Die Probleme der Kunden lösen sich schon auch oft von selbst, wenn man die Kunden lange genug um Geduld in der Warteschleife bittet. Wo gestern noch 5 Bankberater im Einsatz waren, reicht heute einer aus und das Warteband. Ihr nächste freier Berater ist schon reserviert, so lässt sich ein Unternehmen gut optimieren und Kosten sparen.

Nein, natürlich ist das nicht bei allen so. Aber in vielen Fällen kommt es einem vor, als ob es nur ein Telefon Warteschlangen System gibt. Und die Werbetexte gehen dann meist so los: “Wir erweitern unser Angebot für Sie unter 0800 Leck mich am Ärmel”. Danach wird, sang- und klanglos eine Filiale nach der anderen reduziert und am Schluss gibt es dann nur noch die Stadtbank Zentrale.

Vielleicht sollte ich Dich einfach mal anrufen, aber vielleicht hast Du Deinen Service auch erweitert und es erwartet mich dort auch ein Automat, der mich informiert, dass dieses Gespräch zu Schulungszwecken aufgezeichnet werden oder ich den Service bewerten kann.

So verfiel ich in meine Gedanken und schicke Dir ein schönes Gedicht aus diesem World Wide Internet.

Beste Grüße

Dein Alex

 

 

SUCHEN

Ich suchte das Glück,
doch bemerkte, dass Glücksgefühle nicht andauernd sind.
Wer richtig glücklich sein will,
sollte auch die traurigen Momente annehmen können.

Ich suchte die Freiheit,
doch bemerkte meine eigenen Grenzen im Kopf.
Wer wirklich frei sein will,
sollte sich vor allem im Kopf frei machen.

Ich suchte die Liebe,
doch bemerkte die fehlende Liebe zu mir selbst.
Wer bedingungslose Liebe möchte,
sollte bei sich anfangen.

Ich suchte die Erfüllung,
doch bemerkte, dass das kein Zustand ist.
Wer ein erfülltes Leben möchte,
sollte es nach seinen jeweiligen Bedürfnissen ausrichten.

Ich suchte den Sinn meines Lebens,
doch bemerkte, dass ich darauf keine Antworten fand.
Wer ein sinnvolles Leben möchte,
sollte wohl den Eigenwert des Lebens an sich erkennen und leben.

FINDEN

Ich fand das Glück,
als ich begann alle Gefühle zu leben und anzunehmen.

Ich fand die Freiheit,
als ich begann Gedanken und Gefühle zum Positiven zu transformieren.

Ich fand die Liebe,
als ich begann mir selbst genug zu sein.

Ich fand die Erfüllung,
als ich begann ohne schlechtes Gewissen entsprechend meiner Bedürfnisse zu handeln.

Ich fand den Sinn des Lebens,
als ich begann mein Leben seiner selbst Willen zu leben und zu genießen.

 

Gefunden auf Mountainbalance von Linda

https://mountainbalance.de/suchen-und-finden/

 

P.S. Ich Denk an Dich 

15 Mai 2021

Unsere Persönliche Reise

Liebe Beate

Nun auch noch ein rosa Traktor. Was mit einer Domina anfing, geht nun weiter mit einem Traktor und wer weiß, was wir nicht noch alles auf unserer persönlichen Reise durch die Weinlandschaft finden. Anfang der Woche konnte man schon mal den Sommer fühlen und am Abend bis 22:00 Uhr ohne Jacke auf der Terrasse verweilen.

Während wir den ein oder anderen Abend ein Gläschen trinken, fallen leider in Israel Raketen auf Gebäude. Menschen verbringen statt auf dem Balkon ihre Zeit im Schutzbunker. Krieg nützt immer nur den Leuten, die nicht mit dem Krieg konfrontiert sind und die Ereignisse selbst vorm Bildschirm betrachten. Vor allem erfreut es die Rüstungsindustrie, die fleißig das Treiben mit den Kriegswaffen unterstützt. Es ist zum Schämen, dass der Mensch es immer noch nicht geschafft hat Konflikte auf andere Art zu lösen, ohne Waffengewalt und Blutvergießen. Wir können froh sein , dass wir hoffentlich nie einen Kriegszustand hier erleben werden.

Aber nun zu Schönem: Hier ist grad ein leckeres 220g Steak angekommen und ich freue mich darauf jetzt. Mehr würde ich mich freuen wieder ein Restaurant zu besuchen und eine freundliche Bedienung, die mich umsorgt.
Die zeitweisen Sommersequenzen sorgten auch für Biergartengefühle, doch soweit sind wir noch nicht. Wir müssen alle noch etwas Geduld haben und nicht zu schnell das Falsche tun. Wir werden sehen, GEDULD, das langwierige Wort seit fast einem Jahr.

In der nächsten Woche wird’s an wohl mein erstes Training geben und ich bin noch nicht sicher, wie lange es gehen wird. Du weißt ja, mein Alter… Hält das Knie und kann ich mir eine OP sparen. Da werde ich wohl auch eine wenig schlauer sein und sehen, ob ich das im Sommer einplanen muss.

Bei einem Kurztrip ins Saarland habe ich mir dann noch zwei Wässerchen mitgenommen, einmal einen Schnaps, der sich Grubenwasser nennt und einen Gin aus Saarlouis. Du siehst, ich halte mich grad mal so mit Alkohol über Wasser :).

So wünsche ich Dir, meine Liebe, viele schöne Sonnenabende mit einem schönen Glas Wein.

Beste Grüße

Dein Alex

 

P.S. Ich Denk an Dich 

19 März 2021

Eine Geschichte für Dich

Liebster Alex,

es tut so gut Deine Worte zu lesen. Gern würde ich Dich ein wenig mehr aufmuntern, habe aber das Gefühl, dass wir uns in einer endlosen Spirale von Arbeit und Ärger befinden. Deshalb habe ich jetzt diese noch frische Geschichte für Dich.

Heute habe ich ein paar studentische Hilfen zum Tragen meiner neuen Küche engagiert. Ein bunter Haufen junger Männer, vor Kraft strotzend und voller guter Laune. Wie Du weißt, wohne ich im viertem Stockwerk Altbau ohne Fahrstuhl. Wenn man schwer beladen die Treppen hochläuft, ist es gefühlt der zehnte Stock. Als erstes kam die Kühl-Gefrierkombi. Nicht wirklich schwer, aber unglaublich unhandlich. Ich konnte durch alle Stockwerke ihre Stimmen hören, also hatten Sie noch genug Puste für die nächsten Elektrogeräte. Nach einer sehr kurzen Verschnaufpause wollten Sie los mit leeren Händen, wurden von mir schnell belehrt, dass Sie Leergänge später bereuen würden. Bepackt mit Teilen meiner alten Küche, Hausmüll, Altglas und was sonst noch runter musste, machten Sie sich auf den Weg, um ein paar Schränke, Schubladen und Werkzeug nach oben zu bringen. Ich hatte ein wenig Sorge, dass Sie auch alle Kinderwägen, die im Eingangsbereich für gewöhnlich stehen, mit dem mitgebrachten Elan fröhlich nach oben trügen. Ich nahm mir vor, sollte dies geschehen, nicht zu verraten, dass das nicht zum Auftragsumfang gehört und das überflüssige Gut irgendwo mit einem Lächeln zu verstauen. Die glücklichsten Gesichter habe ich aber gesehen, als ich den schon verschwitzten Helden der Arbeit mitteilte, dass es gar keine Spülmaschine zu tragen gäbe.

Weihnachten, Ostern oder ein Heiratsantrag hätten kein schöneres Strahlen hervorbringen können.

Weihnachten, Ostern oder ein Heiratsantrag hätten kein schöneres Strahlen hervorbringen können. Da sind Sie, die kleinen Freuden des Lebens, die Lichtblicke, die mit einer unglaublichen Unbeschwertheit ohne Vorwarnung über dich kommen, um dir die schlechte Laune und deinen Alltagsärger so mir nichts dir nichts einfach entreißen. Du kannst dich dagegen nicht wehren, gegen die gute Laune, die plötzlich durch den Übermut der Jugend und Unbeschwertheit über dich rollt, wie eine warme Welle und du über dich und die Welt lachen musst, als hätte es kein Gestern gegeben und das Morgen völlig egal ist.

Allerdings holt einen die Realität sehr schnell wieder ein. Nein, eigentlich nicht DIE Realität, sondern die Realität der Anderen, der schlechtgelaunten Chefs und Kollegen, der komplizierten Kunden und deren Sonder-Sonderwünsche, der Zwang der ständigen Präsenz für den Job und das Privatlegen, der gezwungenen guten Laune und der völlig irrationale Druck, ständig etwas besser zu machen, mehr zu haben als andere, sich niemals zufrieden geben müssen oder wollen.

Das alles holt mich ständig ein und nur die Liebe zur Dir lässt mich doch wieder lächeln und sanft an das Morgen denken.

Deine Beate

 

P.S. Ich Denk an Dich 

19 März 2021

Liebe will nicht haben, liebe will nur Lieben .

Liebe Beate,

so schreibe ich Dir, weil ich so überwältigt bin über die Lyrik und bekannte deutsche Schriftsteller, von denen ich in meiner langen Schulzeit größtenteils verschont blieb. Weil Gedichte wie der Zauberlehrling ganz nett sind, aber andere Lyrik oder Texte mich mehr interessiert hätten.

Aber Schule war dann auch oft wie Fernsehen: Kommt auf dem einen Programm nichts, kommt auf dem anderen auch nichts. Nur dass die Programme eben Mathematik, Deutsch und Kunst waren. So stolpere ich heute über Texte von Hermann Hesse oder Rainer Maria Rilke, die mich berühren. So auch ein Ausschnitt WER LIEBEN KANN, IST GLÜCKLICH von Hermann Hesse.

Richtig ist, Liebe fängt bei einem selbst an, das ist wichtig. Sich selbst zu akzeptieren und zu lieben. Dies ist der Weg, der in kleinen Schritten zum Glücklichsein führen kann und in weiteren Schritten auch zur Liebe für seinen Partner. Warum beschenkt man sich noch heute an den Festtagen oder wir uns beide auch ohne Festtag? Es ist das Freuen, jemand anderem eine Freude zu schenken und dies in seinen Augen zu fühlen. Was kann ein freudestrahlendes Kind mit einem glücklichen Lachen seinen Eltern an Emotionen und Happyness verbreiten!

Aber auch zu viel Selbstliebe führt nicht zum Glücklichsein, sondern endet im Narzissmus. Es ist wie mit Allem, ein gesundes Maß an Emotionen und Empfindungen führt zum Ziel. Manchmal bedeutet Liebe auch einfach da zu sein für jemand und das Klingeln des anderen nicht wegzudrücken und dem anderen zuzuhören in seinem Kummer. Das schreibe ich natürlich auch aus gutem Grund: Um Danke zu sagen, dass Du Dir diese Woche ein ums andere Mal meinen täglichen Verdruss einfach nur angehört hast und ein paar aufbauende Worte für mich hattest.

Eine Partnerschaft bedeutet eben auch für den anderen da zu sein und sich die Zeit zu nehmen, um den anderen Jammern zu hören und mit Wortwitz wieder auf das richtige Gleis zu bringen. Aber dies gilt natürlich auch für echte Freundschaften, denn, auch wenn es eine Freundschaft ist, können sich diese doch genauso lieben. Liebe wird heute zu sehr sexuell und kommerziell vermarktet, doch Liebe besteht nicht nur aus sexuellen Handlungen und einem Strauß mit Blumen und Pralinen.

Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich. Liebe ist weise gewordene Begierde; Liebe will nicht haben; sie will nur lieben.
Hermann Hesse

Wenn unsere Briefe jemand lesen würde, würde er an so manchen Tagen im Kitsch unserer Gedanken ertrinken. In einer Welt, in der ein süßes Hundebild in den sozialen Medien weitaus mehr Emotionen auslösen kann, als irgendein kitschiger Text, der ein paar kB groß ist. Aber das Geschriebene bleibt, wie Du in meinen Gedanken.

So warte ich nun auf Deinen Brief, still in meinen 4 Wänden.

Dein

Alex

PS.: Ich Denk an Dich

14 März 2021

Wesentliche Dinge

Liebe Beate,

Oft vergisst man vor Arbeit und Reichtum-Generierung die wesentlichen Dinge: Freundschaft, Familie und vor allen Dingen sich selbst.

Ein Anwalt meinte mal zu mir dazu, meine Kinder kamen auf die Welt und dann studierten Sie schon und ich merkte, dass ich den Teil dazwischen zu genießen und richtig wahrzunehmen verpasst hatte.

Kinder sind es, die noch frei und unbefangen Emotionen fühlen und sich selbst spüren. Auf dem Weg zum Erwachsenwerden, mit den falschen Kompetenzen ausgestattet, verlieren sich diese Dinge. Wer sich bis ins hohe Alter die Freiheit nimmt, so zu sein wie man ist und sich nicht zu dem machen lässt, was die Gesellschaft für richtig hält. Denn auch ich und du sind diese Gesellschaft und haben genauso das Recht, die Minderheit dieser Gesellschaft zu sein, die Dinge anderes sieht als der ganze Rest. Es findet viel zu wenig kreative Entfaltung statt und ohne dieses Internet hätten wir in der modernen Zeit vermutlich noch weniger kreative Köpfe, die etwas bewirken.

Vielleicht sind unsere Briefe & Podcasts nicht relevant im Hier und Jetzt und nur wenige lesen und belauschen unsere Gespräche. Aber am Ende zählt doch nicht wirklich, was jemand Materielles hinterlässt. Sondern was er geschaffen hat und die Geschichten und Erzählungen hält die Menschen weiter im Leben. Ich höre gerne solche Geschichten von Menschen der Vergangenheit, auch wenn es keine Weltliteratur ist oder Erzählungen von großen Bauwerken sind. Wertschätzung kann auch über den Tod hinaus gehen, für das, was ein anderer einmal geleistet hat und selbst voller Stolz bewundert hat. Jeder darf sich auch mal selbst bewundern für Dinge, die er getan hat, aber natürlich auch Selbstkritik üben bei Sachen, die nicht so gut gelaufen sind. Dadurch wächst man auch an Erfahrung und Wissen. Fehler sind menschlich und manche Fehler führten am Schluss auch zu positiven Ereignissen, wie auch zu sehen bei der Entstehung von Erfindungen.

Das Glücklichsein im Leben zu erreichen und dauerhaft zu erlangen ist wohl der größte Reichtum, der auf Erden erlangt werden kann. Dies versucht jeder auf seine Art und Weise, am Schluss merkt jeder, es sind die einfachen Dinge, die dazu führen.Fans zu haben für die Dinge die man tut und schafft, kann beflügeln und zu Grandiosen Ideen führen

Manchmal führt auch ein Telefonat oder ein Brief oder das Strahlen deiner Augen über ein Überraschungspaket zum Glücklichsein.

Fühl Dich gedrückt.

Beste Grüße Dein

 

Alex

 

PS.: Ich Denk an Dich

3 März 2021

Urlaubsreif

Sind wir jetzt nicht alle langsam ein wenig urlaubsreif? Und ich meine nicht einen kurz Trip in den nächsten Baumarkt. Irgendwie sehne ich mich mal nach Luftveränderung und anderen Landschaften. Ja, ich gebe zu, mir fällt nun auch langsam die Decke auf den Kopf, trotz 50 Mbit Leitung und zukünftigem Glasfaseranschluss mit mehr. Auch ist das Gefühl, wieder Nachhause zu kommen, nicht zu unterschätzen. Denn das ist es doch auch: Dieses Gefühl, endlich wieder nach Hause zu kommen und zu wissen, in welcher Schublade die Gabeln sind und in welchem Schrank die Kaffeetassen.

Du hattest ja schon erwähnt, dass du gerne die Vergangenheit bereisen möchtest. Das klingt nach einer charmanten Idee, das Vergangene nach vielen Jahren noch mal zu besuchen. Ich mach das in Bezug auf meine Heimat fast jährlich und erinnere mich auch gerne daran, wie sich Gebäude, Stadt und Leute verändern oder weiter entwickeln. Auch wenn an manchen Stellen wenig Veränderung stattgefunden hat und nur die lokalen Geschäfte abgeklebt oder das Schild “Zu vermieten” nur noch kaum lesbar ist, da es schon so lange die Sonne ertragen musste.

Wir müssen noch eine Zeitlang Geduld haben, können aber durchaus in Gedanken in die Ferne schweifen. Wir werden sehen was passiert und schwelgen ein ums andere Mal in der Melancholie des Alltags.

 

Beste Grüße Dein

 

Alex

 

PS.: Ich Denk an Dich

 

 

22 Februar 2021

Nicht alles ist ein Zuckerschlecken

Liebe Beate,

Jemanden zu lieben ist einfach, wenn alles gut läuft. Es ist schwer zu bleiben, wenn Ärger kommt, nicht alles ist ein Zuckerschlecken. Wir wissen, wovon wir sprechen. <3
Mit diesen schönen Zeilen aus einem Lied  von Marcos e Belutti aus Brasilien beginne ich die ersten Briefzeilen 2021 an Dich. In diesem noch kurzen Jahr konnten wir schon viele wunderschöne Momente miteinander teilen. Ob zu Zweit oder auch zu Dritt mit unserer Domina 🙂 . Oft verfasste ich endlose Briefe in meinen Gedanken an Dich und brachte Sie nicht auf die Tastatur. Aktuell fasziniert mich eine schier unbegrenzte Vielfalt an Kommunikationsmöglichkeiten. Die Frage, können wir eine Videokonferenz machen, ist nicht so einfach zu beantworten wie ein schöner gemeinsamer Abend, der mit der Frage endet, gehen wir zu Dir oder zu mir. Es erfolgt nämlich die Gegenfrage,  mit welchem Tool Teams, Zoom, Signal, FaceTime, Bluebutton , Jitsi … usw. (Anbieter, die jetzt noch fehlen, hier einfügen, ich habe den Überblick verloren). Was war das für eine schöne Zeit, in der die Frage schnell und gut beantwortet werden konnte. Heute muss ich minimal 10 Tools installieren, weil es schier unbegrenzte Möglichkeiten gibt. Es stellt sich auch die Frage, ob der Viert-Klässler seiner Herzensdame heutzutage ein Doodle sendet, um die Antwort  auf seine Frage “Willst Du mit mir gehen? Ja/Nein/Vielleicht” zu bekommen.
Jeder hat zwar jede Menge Zeit, um über sich und die Zukunft nachzudenken, aber wirkliche Lösungen finden sich nur an Stellen, an denen die Lösung kein konkretes gravierendes Problem behebt. Was mir aber auffällt: Der Frühling naht und bringt frische Ideen und Innovationen wieder und vertreibt das Kalte und Graue des Winters. Die ersten Blumen begrüßen den Frühling schon.
Vielleicht reicht schon eine Pfütze Dachschaden, um in diesem Leben zu Recht zu kommen.
Ich sende Dir die schönsten Frühlingslichtblicke in Dein Zuhause.
Dein
Alex
P.S. Ich denk an Dich