8 Juli 2020

Mal eben so oder Datenmessi

Liebe Beate,

Es ist doch faszinierend wie unterschiedlich Menschen sind und was Sie antreibt oder glücklich macht. Bei manchen ist es eine Kleinigkeit, bei anderen wiederum ein schickes Auto und andere wiederum sind schon glücklich damit was Sie haben. Der Kopf erzeugt oft auch falsche Vorstellungen was einen selbst Glücklich macht. Wenn es nicht um zu setzen ist, kann es ein persönliches Drama sein, unerfüllte Träume nennt man das. Andere die man umsetzen kann wirken danach manchmal bedeutungslos. 

Dann ist es wieder so das es etwas unerwartet passiert und man merkt erst einige Zeit später das es einen Glücklich gemacht hat. Schöne Erinnerungen schreibt das Leben zumal auch.

Aber ist ja auch schwierig mit dem finden und suchen von Freunden, Partnerschaften und Geschäftsbeziehungen. Die echte Freundschaft muss reifen, wie ein guter Wein durch dick und Dünn wie man so schön sagt.

Wir hatten ja das Thema Sammel Leidenschaft schon mal, in den letzten Wochen konnte ich etwas Neues erleben. Datenmessi so würde ich es bezeichnen und es gibt dazu schon eine Definition

Mit Datenmessi werden im Allgemeinen Menschen bezeichnet, die es nicht schaffen, sich von digitalen Inhalten ihrer Festplatte zu trennen.

Im kleinen kenne ich das bei vielen Kunden von mir schon, nichts löschen möglicherweise benötigt man es vielleicht mal wieder. Doch das Szenario, das ich vorfand, war schon eine größere Sache. Vermutlich hatte der Schöpfer ein System, jedoch war mir nicht ersichtlich was die Zeichen vor den Ordnernamen bedeuteten _Krimskram oder #Sonstigerkram. Zahlreiche Festplatten musste ich sichten und Ordner, die fast gleich waren sichten. Es ist nicht einfach  einen Überblick zu bekommen bei Datenvolumen von circa 18 TB. Ich begann dann einfach erst mal Platz zu schaffen und die größte Platte von 8 TB leerzuräumen. Danach das ganze halbwegs nach Art Medien, Dokumente, Bilder zu ordnen. Es ist kaum ein Unterschied, ob man einen Keller ausräumt oder diese Datenmengen. Auch wenn der Schöpfer kein Itler war, fand ich spannend, dass er Netzwerke die stark abgeschottet aufgebaut hatte. Das Netz war besser gesichert gegen äußere Angriffe wie Verschlüsselungstrojaner als so manche Firmen Netzwerke.

In einem Podcast es Chaos Computer Club erzählte ein Mitglied wir werden mit der zunehmenden Kapazität der Festplatten ein Datenchaos erreichen. Das ist wohl wahr, ungern trennt man sich E-Mail-Postfächern die 5 Jahre alt sind. Da könnten ja noch Schätze liegen wie Liebesbriefe, Facebook Romanzen oder Bilder und Texte. Eine Sortierung ist nach einigen Jahren sehr Zeitaufwendig. Aber welche frage sich stellt heute und in Zukunft, was macht man mit seinem Datenerbe nach dem Tod.

Lange hab ich nichts mehr gehört, daher warte ich hier geduldig auf einen Brief von Dir

Gruß

Alex

 

P.S. Ich denk an Dich.

 

 

 

 

11 Juni 2020

Heimat

Liebe Beate,

wie am Telefon berichtet, bin ich ein paar Tage in der Heimat und somit noch entfernter von Dir als je zuvor. Am ersten Tag eine Friedhofstour . Ich war erstaunt über verwahrloste aber sehr junge Gräber. Bei einigen dieser Gräber lagen Steine mit dem Satz „Wir vermissen Dich“. Man fragt sich beim Anblick dieser Ruhestätte, ob wohl der verstorbene selbst diesen Stein dort hingelegt hat.

Die Heimat, die ich vor beinahe 30 Jahren verlassen habe, lässt vor Ort hier und da einige Erinnerungen wieder aufleuchten. Wie überall verschwinden hier Häuser und neue modernere Bauwerke verändern das Stadtbild. Das Saarland ist eine Mischung aus Industrie, die langsam immer weniger wird, und vieler Wälder und wunderschöner Natur.

An das ehemalige Kohlengebiet erinnern nur noch einige Fördertürme und die künstlichen Berge. Denn alles, was die Bergleute aus der Erde geholt haben was keine Kohle war, wurde getürmt und heute finden sich deshalb viele Berglandschaften in den Orten, in denen es eine Grube gab. Vielleicht waren es auch einige Saarländer, die in Bayern waren und die Berglandschaft gesehen haben dort und dann meinten wir bauen uns auch sowas. Die Bergehalden können heute bestiegen werden und ganz langsam wachsen an den Hängen Pflanzen und Bäume. Eine Almhütte zum Einkehren oder Kühe konnte ich bisher auf dieser Alm noch nicht finden, auch im Saarland ist nicht alles perfekt.

Oft wird das Saarland belächelt, meist von Menschen, die nie einen Fuß hierhin setzten, aber all jene die das kleinste Bundesland besuchen, kommen gerne wieder. Genießen die Aussicht an der Saarschleife und das ein oder andere Glas Wein in Saarburg, dazu einen leckeren Flammkuchen. Die Menschen sind hier etwas offener als in Bayern, meinem jetzigen zu hause, mag vielleicht daran liegen das Menschen aus Frankreich und Luxemburg seit vielen Jahrzehnten hier arbeiten und die Landeshauptstadt besuchen.

Heimat ist immer klar definiert, dort wo man herkommt. Zuhause ist flexibel und verändert sich über das Leben hinaus, manche finden nie nachhause und irren umher. Auf der Suche nach einem Platz an dem Sie sich geborgen und wohlfühlen.

Mein Zuhause ist vielleicht ein Glas Wein mit Dir auf Deinem Balkon und einem wunderschönen Ausblick auf das Wasser.

 

wunderschöne Grüße

 

Alex

 

P.S. Ich denk an Dich.

1 Juni 2020

Wir machen Urlaub

Lieber Alex,

ich vermisse Dich sehr. Deine Anrufe mit der Begründung:“ Ich wollte nur Deine Stimme hören“ lassen mich strahlend in den Tag oder Abend gehen. Unsere letzte Idee, die bei einem dieser Telefongespräche entstand, hängt mir sehr nach.

Aus der ersten Freude: „Wir werden zusammen Urlaub in Polen machen“ entstanden ganz schnell sehr viele ernsthafte Gedanken. Unserer beider Wurzeln kommen aus Schlesien. Deine aus Frankenstein meine aus Gleiwitz, wo ich geboren bin. Beides gehörte zum Königreich Preußen. Aber darum wer wem, wann gehörte und welcher Volksstamm deutsch, polnisch oder kunterbunt ist, wird bei unserer Reise keine Rolle spielen. Das ist zwar wichtig und interessant, wird mir aber zurzeit viel zu sehr von Menschen diskutiert, die andere Ambitionen haben als wir.

Wir gehören zu den Bürgern Europas, die durch die Kriege, deren Sinnlosigkeit fast einen körperlichen Schmerz erzeugt, umverteilt wurden. Versteh mich nicht falsch, ich will keine alte Ordnung wiederhaben, mich schmerzt es nur keinen Ort zu haben, an den ich wiederkehren kann, um zu sagen hier begann alles, was mein Leben und meinen Werdegang beeinflusste, hier ist das Geburtshaus meiner Eltern und meiner Großeltern, hier bin ich zu Schule gegangen, hier leben meine Schulfreunde, hier wohnt die Nachbarin, bei der ich gern zu Mittag aß, wenn meine Mutter was kochte, das ich nicht mochte, hier habe ich mit meiner Schwester gelebt und gezankt, hier habe ich auf das Christkind oder den Nikolaus gewartet, hier habe ich Äpfel aus Nachbars Garten gestohlen.

Die Liste könnte ich weiterführen. Zugegeben, es ist ein wenig kitschig und vielleicht kannst Du Dir gar nicht vorstellen, was ich fühle. Ich denke, dass aber dieser unumkehrbare Umzug aus Polen nach Deutschland sehr prägend war. Für meine Eltern war das ein Umzug ohne Wiederkehr, ohne Kompromisse, teils damals dem kalten Krieg geschuldet und teils anderen politischen Absurditäten, über die Historiker schreiben sollten.

Also habe ich meine Heimatstadt in Erinnerung als einen Ort, an dem meine Familie nur darauf wartete in den „Goldenen Westen“ auszureisen. In Polen waren wir die Deutschen in Deutschland waren wir die Polen. Trotzdem hege ich keinen Groll. Es ist nur eine persönliche Leere, wenn ich meine Vergangenheit betrachte.

Desto mehr freu ich mich mit Dir zusammen unsere Wurzeln zu betrachten. Vielleicht vergeht diese Sehnsucht nach Geburtsort, so als wenn man ein Pflaster auf eine nicht so große Wunde klebt, oder pustet, damit ein rein psychosomatischer Schmerz endlich vergeht.

Du willst auch die Gedenkstätte Ausschwitz Birkenau besuchen. Ich sehe uns schon tränenüberströmt uns an den Händen haltend dort stehen. Ein Besuch dort ist nicht schön aber notwendig.

Deine Beate

P.S. Ich denk an Dich.

19 Mai 2020

Verschwörungsmessen

Liebe Beate,

Videos der Verschwörungsgläubigen werden mir auch durch die Sozial-Media-Timeline gespült. Ich glaube langsam es gibt mehr Verschwörung Videos auf YouTube, als es Verschwörungsprediger auf diesem Planeten gibt.

Langsam hat es etwas von Religion und viele Menschen pilgern an einen Platz, um Verschwörungsmessen abzuhalten. Eine Diskussion mit diesen Menschen ist schier unmöglich denn sie haben irgendeinen Prediger oder eine Webseite eines Predigers im Internet auf ihrer Zunge. Irgendwie kennt jeder auch einen oder eine die dir viele Links zukommen lassen kann, wenn sie an deine Handynummer oder deine E-Mail-Adresse kommt.

Vielleicht ist das wirklich jetzt eine neue Form der Religion, die Frage ist nur, wer alles an diesen neuen Glaubensformen profitiert und Kasse machen kann. Vom vielen (Kopfschütteln) bekomme ich bald einen Muskelkater. Ich denke, das ist sehr schmerzhaft in dieser Region des Körpers. Mir ist auch unklar welchen Sinn oder Vorteil eine Regierung hätte, wenn sie die Wirtschaft zerstören würde. Bisher konnte mir das keine erklären. Es wird mit Sicherheit eine Erklärung in diesem Internet dazu geben und meine Fragen beantworten. Oder aber nur weitere Fragen erzeugen. Daher wende ich mich wieder den wichtigeren Dingen zu, also Dir und diesem Brief.

Ich habe mir in der letzten Woche mal Gedanken gemacht und auch festgestellt, dass so eine Mutter von Kindern einen echten Full-time-Job hat in den ersten Jahren. So ein Kind achtet ja auch nicht auf die erlaubten Arbeitszeiten von 8 Stunden oder kümmert sich darum, dass die Pausen eingehalten werden. Es ist nicht nur ein sieben Tage-24h-Stunden Job, sondern auch 365 Tage im Jahr  ohne angemessenen Urlaubsausgleich. Das Gehalt ist schlecht und man muss selbst noch viel investieren, auch finanzieller Natur. Wenn Menschen sich entschließen Kinder in die Welt zu setzen und die über Jahre zu begleiten, entscheiden sie sich ein hohes Maß an Freiheit aufzugeben.

Es ist faszinierend, wenn man überlegt was ein Kind alles sein kann. Das geht schon los mit Unfall, wie es einige sehen aber natürlich auch viele positive Seiten wie Hoffnung, Glück, Zukunft oder als zahlende zukünftige Altersvorsorge für die Gesellschaft. Eltern nehmen oftmals viele Einschränkungen in Kauf und tragen eine große Verantwortung auch für die zukünftige Gesellschaft. Denn diese Kinder sind die zukünftige Gesellschaft und so wie wir mit ihnen heute umgehen, gehen sie irgendwann mit uns um. Leider werden in dieser Gesellschaft Eltern und Kinder oft vergessen.

Kinder dürfen KEIN Nachteil sein 

Aktuell in der Corona-Krise sitzen verzweifelt Elternteile zu Hause und haben vielleicht nicht die Möglichkeit Home-Office zu betreiben. Arbeitsuchende können ihrem zukünftigen Arbeitgeber nicht sagen, ab wann Sie wieder arbeiten können. Wir hoffen mal, dass sich dann ab dem 10. Juni alles etwas stabilisiert.

Aber weiterhin ist auch noch unklar wie, mit einer zweiten Welle, von der alle sprechen, umgangen wird.

Urlaub in Deutschland sagt der Alpenminister und will Anreize schaffen, schauen wir mal was passiert. Dann könnte ich Dich endlich wieder sehen.

 

Beste Grüße

 

Alex

 

P.S. Ich denk an Dich.

 

17 Mai 2020

Laute Schreie durch die Nacht

Lieber Alex,

es kommt mir fast wie eine Ewigkeit vor, seitdem ich Dir geschrieben habe. Ich wollte nicht schon wieder über Corona schreiben. Es ist so als hätte uns diese Pandemie komplett in Haft genommen. Ja genau, in Haft hat uns Corona genommen, nicht Merkel oder der OB Müller in Berlin. Ich habe gestern meine ersten Verschwörungsgläubigen im realen Leben getroffen und ich kann Dir sagen, ich bin total betroffen.

Ich war entsetzt bis ungläubig, dass man das alles Glauben kann. Corona ist nur dafür da, damit wir alle geimpft werden sollen, selber Denken, ich weiß was eine Diktatur ist, früher durften wir alles sagen nur Reisen war verboten, ich war auf der Demo und habe kein Corona bekommen, hat dein Freund, der gestorben ist, eine Vorerkrankung, alle die Sterben, sterben an einer Lungenembolie nicht an Corona, ich habe auch mit gebildeten Menschen gesprochen, die meiner Meinung sind, die anderen dürfen schon ins Fitnessstudio, die Grenzen sind schon wieder offen, ich rieche eine Diktatur, weil ich schon mal in einer gelebt habe, in Schweden konnten alle machen was sie wollten,  ich habe bei der Frisörin keine Maske aufgesetzt und sie auch nicht, man stirbt an anderen Krankheiten und nicht an Corona, an der Grippe sterben auch jedes Jahr 30.000 Menschen, mir ist gerade die letzte Gehirnzelle geplatzt.

Ich war so desorientiert, dass ich nach dieser Aufzählung vor Erschöpfung gleich drei Stunden geschlafen habe. Ich hätte am liebsten rein geschrien:

„Reißt euch doch mal zusammen!“

Das wäre so sinnlos gewesen. Darauf einen Schnaps, der tötet alles ab, hoffentlich auch die Erinnerung an dieses Zusammentreffen.

Ja und sonst so: „Ich vermisse gute Gespräche bei einem Glas Wein, Bier, Whisky oder Kaffee (ich bin ja vielfältig) mit meinen Freundinnen und Freunden. Ich vermisse, sich während eines Gespräch in die Arme zu nehmen, weil man so berührt – nicht gerührt- ist, von der Meinung des anderen. Ich vermisse das laute Hinausbrüllen der Gefühle in die stille Nacht beim Lagerfeuer, weil man da immer denkt, dass man allein ist auf der Welt, weil man geblendet durch das Feuer nichts Anderes mehr sehen kann.  So geblendet wie der Unionfan, der heute grölend durch Köpenick lief, konzentriert auf sein Bier, oder geblendet durch…….ach keine Ahnung was da so vorgeht in der Männerseele. Da weißt Du wahrscheinlich besser Bescheid als ich. So viel Sexismus sei mir heute gegönnt, als Ausgleich, für alles. Danke für Dein Verständnis.

Deine mal wieder orientierungslose Beate

P.S. Ich denk an Dich.

8 Mai 2020

Rückblick

Liebe Beate,

irgendwie kommt es mir so vor als ob 2020 nicht so wirklich stattfindet, wird es in zukünftigen Jahresberichten für das Jahr nur Rückblicke auf die Corona-Krise geben oder wird noch etwas Anderes enthalten sein.

Rückblick ist ein gutes Stichwort für meine Gedanken der letzten Tage, viele waren oder sind ja etwas entschleunigt und machen sich plötzlich Gedanken um die wirklichen Dinge.
Das Leben bewusster zu leben und sich wieder mehr um Freunde zu kümmern. Manchmal ist eine ein Anruf schon der erste Schritt. Das Leben läuft rasant an einem vorbei, im hier und jetzt merkt man es kaum. Eltern merken es an ihren Kindern, die von der ersten Windel zunehmend selbstständiger werden, rebellieren und plötzlich heimlich nachts die erste Liebe nach Hause bringen. Menschen kommen und gehen, echte Freunde bleiben über Jahrzehnte und sind im besten Fall bei allen Sorgen und Ängsten an deiner Seite. Viele kennengelernte Freunde, Bekanntschaften sind irgendwie auch oft Verkettungen von Schicksal, Missverständnissen und Zufällen.

Mir erzählte vor kurzem ein bekannter wie  er seine Frau kennengelernt hatte. Er hatte auf einer bekannten Autoverkaufsbörse sein Auto zum  Verkauf angeboten und eine Dame meldete sich zur Besichtigung, nachdem ihr das Auto zu sagte, erfolgte der Verkauf. Viele Wochen später hatte die Dame die Nummer des Verkäufers noch in ihrer Kontaktliste und kontaktierte den Verkäufer ihres Autos spontan und Sie trafen sich daraufhin. Eine wunderbare Geschichte, was wär nur gewesen, wenn er seine Handynummer zufälligerweise gewechselt hätte. Beide wären womöglich nie zusammen gekommen oder sie hätte nicht die Initiative ergriffen und ihm geschrieben. Wer koordiniert denn solche Schicksale? Oder wurde dies durch die Verkaufsplattform initiiert, da er das Verkaufs-Plus Paket bei seiner Annonce mit gekauft hatte. Spielraum für Verschwörungstheorien und sicherlich gibt es auch dazu eine Theorie auf YouTube oder einer anderen religiösen Instanz in Sachen Liebe, sieht man oft ja auch das Dinge anders gelaufen wären, wenn einer die initiative früher oder später mit etwas mehr Geduld  ergriffen hätte. Dann kam eben Leben dazwischen und oder erst viele Jahrzehnte später lösen sich Vorbehalte und es finden offenere Gespräche statt.

Bei allen Rückblicken bleibt ein Satz immer noch richtig, für die Zukunft

Carpe Diem

Pflücke den Tag und genieße den Tag

 

Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich den Fußball so vermisse, ob es das wöchentliche Training ist oder am Sonntag das 14 tägige Heimspiel der Damen. Das Spiel ist zwar langsamer, jedoch ist es irgendwie ehrlicher als bei den Herren. Auch hier gibt’s harte Zweikämpfe und schöne Spielzüge, nur das die Mädels, wenn Sie am Boden liegen und sich vor Schmerz krümmen wirklich verletzt sind.

Der Amateurfußball bietet aber auch viele soziale Aspekte, man sieht sich ja oft am Platz und führt die ein oder andere Diskussion. Da ja jedes Tor, Foul und Abseitsentscheidung ohne Video Aufzeichnung immer im Auges des Betrachters liegt. So wissen es ja auch meist die älteren ganz genau welche Entscheidung richtig gewesen wäre.

Liebe Grüße aus dem anderen Teil der Republik

Dein

Alex

 

P.S. Ich denk an Dich

 

4 Mai 2020

Selbstbewusstsein und Mangotarte

Lieber Alex,

mein Kopf ist so voller Überlegungen, dass ich gar nicht weiß, was ich schreiben soll. Ständig fange ich in Gedanken an, einen Brief an Dich zu schreiben. Leider habe ich keine kleine Fee, die in meinem Kopf mithört und mitschreibt. Schon als ganz junges Mädchen habe ich in meinem Kopf Briefe an mein erwachsenes Ich geschrieben, in der Hoffnung eines Tages mit meinem verständnisvollen Ich darüber reden zu können. Später habe ich die Briefe an meine Lebensabschnittsgefährten adressiert und sie nie aufgeschrieben und niemals ausgesprochen. Dann habe ich es bedauert, da ich sie für ziemlich genial hielt, also die Briefe und meine Sicht auf Dinge, die meine Welt bewegten.

Heute bin ich manchmal ganz froh darüber, denn wer sollte das alles lesen? Dieses Vor- nach und dazwischenpubertäre Geschwurbbel einer fast erwachsenen Frau. Vielleicht strotzten sie damals vor Genialität, also für mich, vielleicht fehlt es meinem Ego von heute aber auch nur an Selbstbewusstsein, das anerkennt, dass ich es hätte durchaus aufschreiben können. Dieses absolute Selbstbewusstsein, bei den meisten schon fast Hybris bewundere ich oft. Also ich stehe eher fassungslos mit offenem Mund da und höre ihre Worte. Die Worte von Menschen, die so von sich als Person, ihrer absoluten Wichtigkeit für das Überleben der Menschheit überzeugten, die mit ihrer Einzigartigkeit quasi die Welt am Laufen halten, ohne die es nichts von Bedeutung gäbe, deren Nachkommen behütet und gehelikoptert aufwachsen müssen und schon viel zu früh wissen was ein Mangotarte ist und wie Sushi schmeckt. Aber lassen wir das. Da geht es wieder mit mir durch, das Ego, das wahrscheinlich nur neidisch ist, auf das ereignislose Leben der anderen.

Und dann gibt es in einer Schublade meines großen Apothekerschrankes meiner Menschensammlung noch die Heldinnen und Helden des Lebens, die leise ihre Werke tun. Deren Lebenswerke vielleicht, wenn sie keine Erben haben, nie gewürdigt werden. Diesen Gedanken fand ich bei einer Plauderei mit einer Bekannten, die als Fotografin Land und Leute, wie man so schön sagt, verewigt. Die sehr vielen Kindern das Schwimmen beigebracht hat, mit viel Freude und Engagement. Die als Lehrerin mehr als sie musste getan hat. Wir sprachen über Ihre Website, die sie soweit es möglich ist, selbst gestaltet und bearbeitet. Sie entschuldigte sich, dass sie nicht so schnell sei, beim Suchen in der Adminansicht, in den, wer kennt das nicht, tausend Menüpunkten, sie sei halt technisch nicht so begabt.

Da blieb mir auch die ganze Zeit der Mund offen stehen, wenn das eine 80jährige Frau so sagt. Außerdem müsse sie denn mal los, zum Geigenunterricht, den sie lernt seit 3 Jahren die Geige zu spielen, nur für sich, weil es schon immer ihr Traum war. Ich bin immer noch sprachlos, und Du, mein lieber Alex weißt wie ungewöhnlich das ist.

Deine Dich sehr vermissende und sprachlose Beate

P.S. Ich denk an Dich

29 April 2020

Menschen Sammeln

Liebe Beate,

ja, man sammelt schon mal einiges über die Jahre, die einen sagen Kunst, die anderen dann eher Müll. Das schöne liegt immer im Auges des Betrachters. Mir fällt grad keine aktive Sammelleidenschaft ein oder doch ich sammel Menschen. Das ist eigentlich ein ganz gutes Hobby, es braucht natürlich auch Zeit und Liebe. Wie kannst Du Dir das vorstellen, ich finde immer wieder tolle Menschen mit Talenten und dem Herz am richtigen Fleck.

Da ganze kostet mich meist nur Zeit und die Sammlerstücke lagern sich dann auch selbst. Der Verwaltungsaufwand ist gering, manchmal sehe und höre ich viele Jahre nichts von ihnen. Ich vergesse meine Sammlerstücke zwar nicht, Sie mich jedoch manchmal.

Irgendwann kommt es dann doch wieder zu einer Sichtung, manchmal mit Rissen und verstaubt, aber das kann man dann oft über die Zeit wieder aufpolieren und es kann wieder wie neu erstrahlen. Natürlich haben Sie auch an Wert gewonnen, mit Ihren Erfahrungen, die auch mir oft ein Schmunzeln ins Gesicht bringen oder ein Problem lösen.

Über die Jahre kann es dann auch noch einen Bonus geben mal mehr mal weniger und Du denkst nicht nur an deinen gesammelten Stücke, sondern auch an die vielen Erinnerungen die mal mehr oder weniger sind.

In den letzten Tagen kam mir da so ein Sammlerstück nach langer zurück und das war so als ob ich vor 20 Jahren einen Brief abgesendet habe und jetzt kommt die Antwort. Damals hatte man eine andere Perspektive auf die Dinge und hat noch anders gesammelt. Über die Jahre fokussiert man ja sein Hobby und nimmt nicht jedes Stück in seine Sammlung auf. Manche Sammlerstücke gibt man ja dann irgendwie doch ab, und wundert sich das einem das so mal gefallen hat. Andere wiederum bleiben einem ein Leben lang erhalten, so wie ein ganz besonderes und seltenes meiner Sammlerstücke, und zwar DU.

Ganz egal woran ich gerade denke
Am Ende denk‘ ich immer nur an dich

Text: Sven Regener / Element of Crime

Dein nachdenklicher

Alex

 

P.S. Ich denk an Dich

22 April 2020

Geölte Gießkannen

Lieber Alex,

ich wusste gar nicht, dass Sammeln eine so seltsame Leidenschaft ist. Vielleicht sagt das Wort an sich schon alles. L E I D E N -schaft. Ich sammle auch. Das hast Du bestimmt nicht von mir erwartet, da ich ja immer so aufgeräumt wirkte, man traut mir sinnloses Kaufen von Gegenständen, die nur einen Wert haben, weil sie selten oder limitiert sind nicht zu. Aber genau so ein Sammler bin ich nicht. Also so ein Sammler, der Dinge sammelt, weil Sie angeblich wertvoll sind und noch schlimmer: wertvoll werden könnten. Das halte ich sowieso für völligen Schwachsinn, weil ja die Sachen, solange man niemanden findet, der sie einem abkauft, nicht wirklich wertvoll sind.  Natürlich ist eine Statuette aus Gold von sich von Wert, weil das Gold irgendwie von Wert ist, aber dafür müsste ich Sie einschmelzen und dann wäre der sogenannte Sammlerwert weg, weil es nur ein Klumpen Gold wäre, mit dem ich mir im Laden nicht mal ein Brot kaufen könnte. Und jetzt gerade frage ich mich, ob mein Gegenbeispiel wirklich eins ist, denn, wenn ich eine Spielzeugfigur hätte, die in limitierter Auflage verkauft wurde, noch in der Originalverpackung, Preislabel noch dran. Was ist die Wert, wenn Sie bei mir im Regal steht? Wird sie mit der Zeit wertvoller? Wenn der ganze Staub sich drauf gesammelt hat und die Packung vergilbt ist. Ach, das würde aber nur bei mir passieren, ein richtiger Sammler von Plastikgedöns oder Comics hat die nochmal in Plastikfolie eingeschlagen und liest die Comics natürlich nicht, damit Sie sich wieder gut verkaufen lassen und in Wirklichkeit kauft der ernsthafte Sammler noch mehr Comics oder Plastikfiguren oder sonstiges limitiertes Zeug oder Sonderausgaben, wie bei CDs oder DVDs (die kleinen Plastikscheiben, die in Plastikhüllen eingepackt sind, meistens ist Musik drauf, oder ein Film mit Bonusmaterial, was kein Mensch ansehen will) und irgendwann ist die Wohnung voll mit limitiertem Plastik, das erst wertvoll wäre, wenn man einen Käufer dafür fände, den man nicht sucht, weil man sich nicht trennen mag von den tollen Sachen, die sonst nur sehr, sehr wenige andere haben und kauft lieber noch mehr davon, als, wenn man älter wird, Geldanlage, weil man das so macht und wenn man die Plastikfiguren eingeschmolzen hat, kann man dafür auch kein Brot kaufen. Und jetzt weiß ich gar nicht mehr wie ich darauf gekommen bin. Vielleicht weil, wenn man gestern ein Barrel Öl gekauft hätte, 40 USD bekommen hätte und das Öl. Also noch dazu, zum Öl, null Euro für ein Barrel ÖL und 40 USD, (ich glaube das immer noch nicht ganz, deshalb wiederhole ich es so oft, es wird aber durch das Umformulieren nicht besser)  weil sich da Leute gedacht haben, ich kaufe Dinge, die rar sind, als Geldanlage. Und jetzt stelle ich mir das Gesicht der Bäckereifachverkäuferin vor, wenn ich mit meinem Fass Öl und 40 Broten….. ne, so funktioniert das nicht.

Deshalb sammle ich im Moment Gartengießkannen aus Zink, ich werde sie mit Blümchen bepflanzen und meine Freude daran haben, sie in Reih und Glied im Garten aufzustellen, mal nach Größe geordnet und mal völlig durcheinander, wir werden uns nie trennen müssen, weil sie nicht wertvoll sind, und ich gar keinen Gedanken daran verschwenden muss, ob ich sie verkaufen soll, aber ich kann ihnen nicht garantieren, also den Gießkannen, dass sie einzigartig sind, oder für immer bei mir bleiben dürfen, im Gegensatz zu Dir, lieber Alex. Aber ich habe mir ein Limit von 40 gesetzt.

Deine verwirrte Beate

P.S. Ich denk an Dich