19 Oktober 2021

Monate ohne einen Brief von Dir

Liebe Beate,

Monate warte ich nun schon verzweifelnd auf einen Brief von Dir, selbst den Zugang zu Deiner Dropbox hast Du mir verwehrt. Du sagtest, Du musst viel arbeiten, aber finden sich da nicht ein paar Minuten und Zeilen für mich?

Es passierte ja schon vor mehr als einem Jahr, aber witzig ist ja zu sehen, wie Anfang 2000 die Panzerglasscheiben in Post- und Bankenfilialen abgeschafft wurden und der Kunde näher zum Berater rückte. Jetzt haben wir in Geschäften und Banken wieder Scheiben, diesmal aus Plexiglas. Wobei ich gerade feststelle, ich war schon jahrelang nicht mehr in einer Bank am Schalter. Auf dem Land sterben nicht nur die kleinen Läden und Bauernhöfe weg, sondern auch die Bankfilialen. Letzteres wird natürlich durch die Generation eBanking nicht mehr so genutzt, als dies in den 80er Jahren noch war. Auch weil heute eben Opa und Omi auch schon im World Wide Web dabei sind. Die Bank ist jetzt per E-Mail, Telefon oder Chatbot erreichbar. Dies vermittelt den Eindruck, als ob die Bank pausenlos im Einsatz ist für einen, um Dich zu beraten. Das stimmt natürlich nicht ganz, auch die Banken haben vom größten Internetkonzern Deutschlands gelernt. Die Probleme der Kunden lösen sich schon auch oft von selbst, wenn man die Kunden lange genug um Geduld in der Warteschleife bittet. Wo gestern noch 5 Bankberater im Einsatz waren, reicht heute einer aus und das Warteband. Ihr nächste freier Berater ist schon reserviert, so lässt sich ein Unternehmen gut optimieren und Kosten sparen.

Nein, natürlich ist das nicht bei allen so. Aber in vielen Fällen kommt es einem vor, als ob es nur ein Telefon Warteschlangen System gibt. Und die Werbetexte gehen dann meist so los: “Wir erweitern unser Angebot für Sie unter 0800 Leck mich am Ärmel”. Danach wird, sang- und klanglos eine Filiale nach der anderen reduziert und am Schluss gibt es dann nur noch die Stadtbank Zentrale.

Vielleicht sollte ich Dich einfach mal anrufen, aber vielleicht hast Du Deinen Service auch erweitert und es erwartet mich dort auch ein Automat, der mich informiert, dass dieses Gespräch zu Schulungszwecken aufgezeichnet werden oder ich den Service bewerten kann.

So verfiel ich in meine Gedanken und schicke Dir ein schönes Gedicht aus diesem World Wide Internet.

Beste Grüße

Dein Alex

 

 

SUCHEN

Ich suchte das Glück,
doch bemerkte, dass Glücksgefühle nicht andauernd sind.
Wer richtig glücklich sein will,
sollte auch die traurigen Momente annehmen können.

Ich suchte die Freiheit,
doch bemerkte meine eigenen Grenzen im Kopf.
Wer wirklich frei sein will,
sollte sich vor allem im Kopf frei machen.

Ich suchte die Liebe,
doch bemerkte die fehlende Liebe zu mir selbst.
Wer bedingungslose Liebe möchte,
sollte bei sich anfangen.

Ich suchte die Erfüllung,
doch bemerkte, dass das kein Zustand ist.
Wer ein erfülltes Leben möchte,
sollte es nach seinen jeweiligen Bedürfnissen ausrichten.

Ich suchte den Sinn meines Lebens,
doch bemerkte, dass ich darauf keine Antworten fand.
Wer ein sinnvolles Leben möchte,
sollte wohl den Eigenwert des Lebens an sich erkennen und leben.

FINDEN

Ich fand das Glück,
als ich begann alle Gefühle zu leben und anzunehmen.

Ich fand die Freiheit,
als ich begann Gedanken und Gefühle zum Positiven zu transformieren.

Ich fand die Liebe,
als ich begann mir selbst genug zu sein.

Ich fand die Erfüllung,
als ich begann ohne schlechtes Gewissen entsprechend meiner Bedürfnisse zu handeln.

Ich fand den Sinn des Lebens,
als ich begann mein Leben seiner selbst Willen zu leben und zu genießen.

 

Gefunden auf Mountainbalance von Linda

https://mountainbalance.de/suchen-und-finden/

 

P.S. Ich Denk an Dich 

15 Mai 2021

Unsere Persönliche Reise

Liebe Beate

Nun auch noch ein rosa Traktor. Was mit einer Domina anfing, geht nun weiter mit einem Traktor und wer weiß, was wir nicht noch alles auf unserer persönlichen Reise durch die Weinlandschaft finden. Anfang der Woche konnte man schon mal den Sommer fühlen und am Abend bis 22:00 Uhr ohne Jacke auf der Terrasse verweilen.

Während wir den ein oder anderen Abend ein Gläschen trinken, fallen leider in Israel Raketen auf Gebäude. Menschen verbringen statt auf dem Balkon ihre Zeit im Schutzbunker. Krieg nützt immer nur den Leuten, die nicht mit dem Krieg konfrontiert sind und die Ereignisse selbst vorm Bildschirm betrachten. Vor allem erfreut es die Rüstungsindustrie, die fleißig das Treiben mit den Kriegswaffen unterstützt. Es ist zum Schämen, dass der Mensch es immer noch nicht geschafft hat Konflikte auf andere Art zu lösen, ohne Waffengewalt und Blutvergießen. Wir können froh sein , dass wir hoffentlich nie einen Kriegszustand hier erleben werden.

Aber nun zu Schönem: Hier ist grad ein leckeres 220g Steak angekommen und ich freue mich darauf jetzt. Mehr würde ich mich freuen wieder ein Restaurant zu besuchen und eine freundliche Bedienung, die mich umsorgt.
Die zeitweisen Sommersequenzen sorgten auch für Biergartengefühle, doch soweit sind wir noch nicht. Wir müssen alle noch etwas Geduld haben und nicht zu schnell das Falsche tun. Wir werden sehen, GEDULD, das langwierige Wort seit fast einem Jahr.

In der nächsten Woche wird’s an wohl mein erstes Training geben und ich bin noch nicht sicher, wie lange es gehen wird. Du weißt ja, mein Alter… Hält das Knie und kann ich mir eine OP sparen. Da werde ich wohl auch eine wenig schlauer sein und sehen, ob ich das im Sommer einplanen muss.

Bei einem Kurztrip ins Saarland habe ich mir dann noch zwei Wässerchen mitgenommen, einmal einen Schnaps, der sich Grubenwasser nennt und einen Gin aus Saarlouis. Du siehst, ich halte mich grad mal so mit Alkohol über Wasser :).

So wünsche ich Dir, meine Liebe, viele schöne Sonnenabende mit einem schönen Glas Wein.

Beste Grüße

Dein Alex

 

P.S. Ich Denk an Dich 

19 März 2021

Eine Geschichte für Dich

Liebster Alex,

es tut so gut Deine Worte zu lesen. Gern würde ich Dich ein wenig mehr aufmuntern, habe aber das Gefühl, dass wir uns in einer endlosen Spirale von Arbeit und Ärger befinden. Deshalb habe ich jetzt diese noch frische Geschichte für Dich.

Heute habe ich ein paar studentische Hilfen zum Tragen meiner neuen Küche engagiert. Ein bunter Haufen junger Männer, vor Kraft strotzend und voller guter Laune. Wie Du weißt, wohne ich im viertem Stockwerk Altbau ohne Fahrstuhl. Wenn man schwer beladen die Treppen hochläuft, ist es gefühlt der zehnte Stock. Als erstes kam die Kühl-Gefrierkombi. Nicht wirklich schwer, aber unglaublich unhandlich. Ich konnte durch alle Stockwerke ihre Stimmen hören, also hatten Sie noch genug Puste für die nächsten Elektrogeräte. Nach einer sehr kurzen Verschnaufpause wollten Sie los mit leeren Händen, wurden von mir schnell belehrt, dass Sie Leergänge später bereuen würden. Bepackt mit Teilen meiner alten Küche, Hausmüll, Altglas und was sonst noch runter musste, machten Sie sich auf den Weg, um ein paar Schränke, Schubladen und Werkzeug nach oben zu bringen. Ich hatte ein wenig Sorge, dass Sie auch alle Kinderwägen, die im Eingangsbereich für gewöhnlich stehen, mit dem mitgebrachten Elan fröhlich nach oben trügen. Ich nahm mir vor, sollte dies geschehen, nicht zu verraten, dass das nicht zum Auftragsumfang gehört und das überflüssige Gut irgendwo mit einem Lächeln zu verstauen. Die glücklichsten Gesichter habe ich aber gesehen, als ich den schon verschwitzten Helden der Arbeit mitteilte, dass es gar keine Spülmaschine zu tragen gäbe.

Weihnachten, Ostern oder ein Heiratsantrag hätten kein schöneres Strahlen hervorbringen können.

Weihnachten, Ostern oder ein Heiratsantrag hätten kein schöneres Strahlen hervorbringen können. Da sind Sie, die kleinen Freuden des Lebens, die Lichtblicke, die mit einer unglaublichen Unbeschwertheit ohne Vorwarnung über dich kommen, um dir die schlechte Laune und deinen Alltagsärger so mir nichts dir nichts einfach entreißen. Du kannst dich dagegen nicht wehren, gegen die gute Laune, die plötzlich durch den Übermut der Jugend und Unbeschwertheit über dich rollt, wie eine warme Welle und du über dich und die Welt lachen musst, als hätte es kein Gestern gegeben und das Morgen völlig egal ist.

Allerdings holt einen die Realität sehr schnell wieder ein. Nein, eigentlich nicht DIE Realität, sondern die Realität der Anderen, der schlechtgelaunten Chefs und Kollegen, der komplizierten Kunden und deren Sonder-Sonderwünsche, der Zwang der ständigen Präsenz für den Job und das Privatlegen, der gezwungenen guten Laune und der völlig irrationale Druck, ständig etwas besser zu machen, mehr zu haben als andere, sich niemals zufrieden geben müssen oder wollen.

Das alles holt mich ständig ein und nur die Liebe zur Dir lässt mich doch wieder lächeln und sanft an das Morgen denken.

Deine Beate

 

P.S. Ich Denk an Dich 

19 März 2021

Liebe will nicht haben, liebe will nur Lieben .

Liebe Beate,

so schreibe ich Dir, weil ich so überwältigt bin über die Lyrik und bekannte deutsche Schriftsteller, von denen ich in meiner langen Schulzeit größtenteils verschont blieb. Weil Gedichte wie der Zauberlehrling ganz nett sind, aber andere Lyrik oder Texte mich mehr interessiert hätten.

Aber Schule war dann auch oft wie Fernsehen: Kommt auf dem einen Programm nichts, kommt auf dem anderen auch nichts. Nur dass die Programme eben Mathematik, Deutsch und Kunst waren. So stolpere ich heute über Texte von Hermann Hesse oder Rainer Maria Rilke, die mich berühren. So auch ein Ausschnitt WER LIEBEN KANN, IST GLÜCKLICH von Hermann Hesse.

Richtig ist, Liebe fängt bei einem selbst an, das ist wichtig. Sich selbst zu akzeptieren und zu lieben. Dies ist der Weg, der in kleinen Schritten zum Glücklichsein führen kann und in weiteren Schritten auch zur Liebe für seinen Partner. Warum beschenkt man sich noch heute an den Festtagen oder wir uns beide auch ohne Festtag? Es ist das Freuen, jemand anderem eine Freude zu schenken und dies in seinen Augen zu fühlen. Was kann ein freudestrahlendes Kind mit einem glücklichen Lachen seinen Eltern an Emotionen und Happyness verbreiten!

Aber auch zu viel Selbstliebe führt nicht zum Glücklichsein, sondern endet im Narzissmus. Es ist wie mit Allem, ein gesundes Maß an Emotionen und Empfindungen führt zum Ziel. Manchmal bedeutet Liebe auch einfach da zu sein für jemand und das Klingeln des anderen nicht wegzudrücken und dem anderen zuzuhören in seinem Kummer. Das schreibe ich natürlich auch aus gutem Grund: Um Danke zu sagen, dass Du Dir diese Woche ein ums andere Mal meinen täglichen Verdruss einfach nur angehört hast und ein paar aufbauende Worte für mich hattest.

Eine Partnerschaft bedeutet eben auch für den anderen da zu sein und sich die Zeit zu nehmen, um den anderen Jammern zu hören und mit Wortwitz wieder auf das richtige Gleis zu bringen. Aber dies gilt natürlich auch für echte Freundschaften, denn, auch wenn es eine Freundschaft ist, können sich diese doch genauso lieben. Liebe wird heute zu sehr sexuell und kommerziell vermarktet, doch Liebe besteht nicht nur aus sexuellen Handlungen und einem Strauß mit Blumen und Pralinen.

Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich. Liebe ist weise gewordene Begierde; Liebe will nicht haben; sie will nur lieben.
Hermann Hesse

Wenn unsere Briefe jemand lesen würde, würde er an so manchen Tagen im Kitsch unserer Gedanken ertrinken. In einer Welt, in der ein süßes Hundebild in den sozialen Medien weitaus mehr Emotionen auslösen kann, als irgendein kitschiger Text, der ein paar kB groß ist. Aber das Geschriebene bleibt, wie Du in meinen Gedanken.

So warte ich nun auf Deinen Brief, still in meinen 4 Wänden.

Dein

Alex

PS.: Ich Denk an Dich

14 März 2021

Wesentliche Dinge

Liebe Beate,

Oft vergisst man vor Arbeit und Reichtum-Generierung die wesentlichen Dinge: Freundschaft, Familie und vor allen Dingen sich selbst.

Ein Anwalt meinte mal zu mir dazu, meine Kinder kamen auf die Welt und dann studierten Sie schon und ich merkte, dass ich den Teil dazwischen zu genießen und richtig wahrzunehmen verpasst hatte.

Kinder sind es, die noch frei und unbefangen Emotionen fühlen und sich selbst spüren. Auf dem Weg zum Erwachsenwerden, mit den falschen Kompetenzen ausgestattet, verlieren sich diese Dinge. Wer sich bis ins hohe Alter die Freiheit nimmt, so zu sein wie man ist und sich nicht zu dem machen lässt, was die Gesellschaft für richtig hält. Denn auch ich und du sind diese Gesellschaft und haben genauso das Recht, die Minderheit dieser Gesellschaft zu sein, die Dinge anderes sieht als der ganze Rest. Es findet viel zu wenig kreative Entfaltung statt und ohne dieses Internet hätten wir in der modernen Zeit vermutlich noch weniger kreative Köpfe, die etwas bewirken.

Vielleicht sind unsere Briefe & Podcasts nicht relevant im Hier und Jetzt und nur wenige lesen und belauschen unsere Gespräche. Aber am Ende zählt doch nicht wirklich, was jemand Materielles hinterlässt. Sondern was er geschaffen hat und die Geschichten und Erzählungen hält die Menschen weiter im Leben. Ich höre gerne solche Geschichten von Menschen der Vergangenheit, auch wenn es keine Weltliteratur ist oder Erzählungen von großen Bauwerken sind. Wertschätzung kann auch über den Tod hinaus gehen, für das, was ein anderer einmal geleistet hat und selbst voller Stolz bewundert hat. Jeder darf sich auch mal selbst bewundern für Dinge, die er getan hat, aber natürlich auch Selbstkritik üben bei Sachen, die nicht so gut gelaufen sind. Dadurch wächst man auch an Erfahrung und Wissen. Fehler sind menschlich und manche Fehler führten am Schluss auch zu positiven Ereignissen, wie auch zu sehen bei der Entstehung von Erfindungen.

Das Glücklichsein im Leben zu erreichen und dauerhaft zu erlangen ist wohl der größte Reichtum, der auf Erden erlangt werden kann. Dies versucht jeder auf seine Art und Weise, am Schluss merkt jeder, es sind die einfachen Dinge, die dazu führen.Fans zu haben für die Dinge die man tut und schafft, kann beflügeln und zu Grandiosen Ideen führen

Manchmal führt auch ein Telefonat oder ein Brief oder das Strahlen deiner Augen über ein Überraschungspaket zum Glücklichsein.

Fühl Dich gedrückt.

Beste Grüße Dein

 

Alex

 

PS.: Ich Denk an Dich

3 März 2021

Urlaubsreif

Sind wir jetzt nicht alle langsam ein wenig urlaubsreif? Und ich meine nicht einen kurz Trip in den nächsten Baumarkt. Irgendwie sehne ich mich mal nach Luftveränderung und anderen Landschaften. Ja, ich gebe zu, mir fällt nun auch langsam die Decke auf den Kopf, trotz 50 Mbit Leitung und zukünftigem Glasfaseranschluss mit mehr. Auch ist das Gefühl, wieder Nachhause zu kommen, nicht zu unterschätzen. Denn das ist es doch auch: Dieses Gefühl, endlich wieder nach Hause zu kommen und zu wissen, in welcher Schublade die Gabeln sind und in welchem Schrank die Kaffeetassen.

Du hattest ja schon erwähnt, dass du gerne die Vergangenheit bereisen möchtest. Das klingt nach einer charmanten Idee, das Vergangene nach vielen Jahren noch mal zu besuchen. Ich mach das in Bezug auf meine Heimat fast jährlich und erinnere mich auch gerne daran, wie sich Gebäude, Stadt und Leute verändern oder weiter entwickeln. Auch wenn an manchen Stellen wenig Veränderung stattgefunden hat und nur die lokalen Geschäfte abgeklebt oder das Schild “Zu vermieten” nur noch kaum lesbar ist, da es schon so lange die Sonne ertragen musste.

Wir müssen noch eine Zeitlang Geduld haben, können aber durchaus in Gedanken in die Ferne schweifen. Wir werden sehen was passiert und schwelgen ein ums andere Mal in der Melancholie des Alltags.

 

Beste Grüße Dein

 

Alex

 

PS.: Ich Denk an Dich

 

 

22 Februar 2021

Nicht alles ist ein Zuckerschlecken

Liebe Beate,

Jemanden zu lieben ist einfach, wenn alles gut läuft. Es ist schwer zu bleiben, wenn Ärger kommt, nicht alles ist ein Zuckerschlecken. Wir wissen, wovon wir sprechen. <3
Mit diesen schönen Zeilen aus einem Lied  von Marcos e Belutti aus Brasilien beginne ich die ersten Briefzeilen 2021 an Dich. In diesem noch kurzen Jahr konnten wir schon viele wunderschöne Momente miteinander teilen. Ob zu Zweit oder auch zu Dritt mit unserer Domina 🙂 . Oft verfasste ich endlose Briefe in meinen Gedanken an Dich und brachte Sie nicht auf die Tastatur. Aktuell fasziniert mich eine schier unbegrenzte Vielfalt an Kommunikationsmöglichkeiten. Die Frage, können wir eine Videokonferenz machen, ist nicht so einfach zu beantworten wie ein schöner gemeinsamer Abend, der mit der Frage endet, gehen wir zu Dir oder zu mir. Es erfolgt nämlich die Gegenfrage,  mit welchem Tool Teams, Zoom, Signal, FaceTime, Bluebutton , Jitsi … usw. (Anbieter, die jetzt noch fehlen, hier einfügen, ich habe den Überblick verloren). Was war das für eine schöne Zeit, in der die Frage schnell und gut beantwortet werden konnte. Heute muss ich minimal 10 Tools installieren, weil es schier unbegrenzte Möglichkeiten gibt. Es stellt sich auch die Frage, ob der Viert-Klässler seiner Herzensdame heutzutage ein Doodle sendet, um die Antwort  auf seine Frage “Willst Du mit mir gehen? Ja/Nein/Vielleicht” zu bekommen.
Jeder hat zwar jede Menge Zeit, um über sich und die Zukunft nachzudenken, aber wirkliche Lösungen finden sich nur an Stellen, an denen die Lösung kein konkretes gravierendes Problem behebt. Was mir aber auffällt: Der Frühling naht und bringt frische Ideen und Innovationen wieder und vertreibt das Kalte und Graue des Winters. Die ersten Blumen begrüßen den Frühling schon.
Vielleicht reicht schon eine Pfütze Dachschaden, um in diesem Leben zu Recht zu kommen.
Ich sende Dir die schönsten Frühlingslichtblicke in Dein Zuhause.
Dein
Alex
P.S. Ich denk an Dich
22 Februar 2021

Vernünftig können wir nicht

Lieber Alex,

du hast mir schon ganz lange nicht mehr geschrieben. Wir machen seit neuestem so viel zusammen, dass unsere Briefe einfach zu kurz kommen. Vielleicht haben wir uns durch den sonntäglichen Podcast schon alles gesagt. Aber dennoch überkommt mich eine Traurigkeit, wenn ich keine Briefe mehr von Dir bekomme. Briefe sind doch viel vertraulicher, viel intensiver, weil ich erst darüber nachdenken muss, was ich schreibe. Ein paar aufgenommene, gesprochen Worte, die zwar spontan, jedoch vorsichtig formuliert werden, können einen Brief nicht ersetzen, da er beständiger ist, sich wie für immer geschrieben anfühlt. Eigentlich wollten wir einen lustigen Podcast machen, allerdings finden wir uns immer wieder bei sehr ernsten Themen wieder. Ob das die Zeit, der uns immer wieder einholenden Pandemie ist, oder sind wir ernst und vernünftig geworden? Nein, vernünftig sind wir nicht! Dafür haben wir zu viele Ideen. Um es mit Deinen Worten zusammenzufassen,

„Ich war so gut vorbereitet, bis du Fragen gestellt hast.“

Lass uns weiter auf unser Leben vorbereitet sein, bis einer Fragen stellt, um zu reagieren ist dann immer noch Zeit genug.

Deine Beate

P.S. Ich denk an Dich

22 Dezember 2020

Weihnachtsgeschenk

Lieber Alex,

ich habe ein Geschenk für Dich. Nun, eigentlich ist es auch ein erzwungenes Geschenk von Dir an mich. So ist es mit Geschenken manchmal, wie mit Ideen. Wir haben Ideen, wie unsere von der Krise gebeutelten Freunde und Freundinnen, Geschäftspartner und Geschäftspartnerinnen ihre finanziellen Engpässe überwinden sollen, oder Ihre persönliche Probleme lösen können:

“Hast Du es schon mal damit probiert, oder die xy aus Hintertupfelfingen hatte folgende Idee……….

Wenn Menschen so anfangen, möchte ich gern meistens das Telefon fallenlassen, einen Regenguss im Park über meinem Kopf niedergehen lassen oder den Zusammenbruch des Internets während einer Zoomkonferenz herbei wünschen.  Und dann in die Nacht schreien: “NEIN, und es interessiert mich auch nicht, weil es nichts mit meiner Situation zu tun hat, ich nicht verblödet bin und jetzt eine halbe Stunde brauche um Dir Lauch zu erklären, warum das für mich keinen Sinn macht, und warum Du nicht, da Du ja alles besser weißt nicht selbst Admin, Schriftstellerin, Einzelhändlerin, Gastronomin, Fotografin, Fußfetischistin, Malerin, Virologin, Mathematikerin oder gar Mutter oder Vater bist. ” Dann bliebe mir die Luft auch schon wieder weg und ich hätte mich beruhigt. Würde natürlich denken, dass es alle ja nur gut meinen.

Aber gerade dieses “gut meinen” ist eine Aufgabe, eine Arbeitsanweisung oder eine Kritik an der Kompetenz der den guten Ratschlag entgegennehmenden Person. Ungefragte Ratschläge sind Müll. Sie gehören auf die allwissende Müllhalde des Internets. In die Foren der “ich habe zwar keine Ahnung, aber ich würde das so machen – Fraktion”.

Aber ich habe ein gegenseitiges Geschenk für uns. Wir machen unseren ersten Podcast. Sollte das Internet, wie wir es kennen während der Weihnachtsfeiertage trotz Oma Erna und Co. , die über ZOOM mit Ihren Enkeln sprechen müssen, noch existieren, machen wir das. Damit das nicht wie ein Arbeitsauftrag an Dich scheint, habe ich mir schon technische Ratschläge geholt.

Deine Beate

P.S. Ich denk an Dich.

1 November 2020

Oh, Du Geliebte meiner 27 Sinne

Oh, Du Geliebte meiner 27 Sinne, lange habe ich nichts von Dir gehört, aber nun wird ja wieder alles etwas entspannter. Ich versuche, die einsamen Spaziergänge im Herbstgold ohne dich zu füllen. Auch der Wein schmeckt nicht so gut ohne Deine Anwesenheit, man oder frau neigt jetzt in dieser sonnigen Herbstzeit zur Melancholie.

Mit dem langsam kommenden kalten und nassen Wetter kommt nun erneut der Lockdown und wir verbringen wieder etwas mehr Zeit Zuhause allein. Und jeder hat die besten Staffeln der Videoportale schon durch. Man versucht es dann mit den B-Waren bei den Streaminganbietern. Die Zweisamen kuscheln sich mit ihrem Partner in Decken auf dem Sofa und im besten Fall knistert im Hintergrund des Fernsehlichts der Kamin. Kinder freuen sich über heiße Schokolade und Eltern beginnen schon die Plätzenbackerei zu planen. Der Glühwein an den Weihnachtsmärkten findet dieses Jahr nicht statt.

Ein ganzes Land bewegt sich in eine solidarische Depression und ist bemüht, die sozialen Kontakte auf Web und Telefon zu begrenzen. Dies ist leider keine Episode einer Serie mit einem durchwachsenen Drehbuch zu Staffel 3. Dort wo die Filmfirma argumentiert, die Story in Staffel 3 müsse so verlaufen, um dann Dinge in Staffel 4 zu verstehen.
Nein, dies ist erst der Beginn einer langen Phase von Staffel 1, die sich langsam dem Ende fügt. Wie es dann in Staffel 2 weiter geht, erfahren wir dann wohl erst im Frühjahr.

Wir alle brauchen Kraft für viele Dinge, die wir jetzt schon vermissen und es wird noch lange dauern, bis ein gewisser Grad an Normalität kommen wird. Keiner hätte gedacht, dass jemals eine Umarmung ein Risiko sein könnte und jeder sehnt sich doch so oft nach dieser.

In dieser Woche ging ich auf Streifzug durch die Stadt, die ich seit Monaten mied. Ich konnte feststellen, dass ich dort nichts verpasst habe. Menschen, die minutenlang mit der Polizei über die Coronamaßnahmen diskutieren (Ein Akt der Verzweiflung?). Aber ich fand auch wunderschöne Herbstfarben im Englischen Garten zur goldenen Stunde, ein Farbgenuss. Vom letzten Jahr erinnere ich mich noch an einen abendlichen Besuch des Weihnachtsmarktes am chinesischen Turm, den Duft nach Mandeln und Glühwein, Kinder, die mit großen Augen Weihnachtsfiguren an den Ständen ansehen. Omas, die sich an Wollständen Wolle kauften, um noch schnell ein Paar Socken für den Enkel zu stricken. Mütter, die mit Nachbarn und Freunden bei einem Glühweinstand genüsslich lachten und erzählten, wie ihr stressiger Tagesablauf am 24. Dezember sein wird.

Ja, all das wird in diesem Jahr anders sein.

Anders gesagt merken wir doch nun, was wir als Normal ansehen und wenig beachtenswert fanden und nun sehr vermissen. So deprimierend das klingt, so sehr dürfen wir alle den Mut nicht verlieren und mit gutem Herzen an die Zukunft denken, die all diese Sachen wieder zurückholt.

Mit besten und motivierenden Grüßen

Dein Alex

P.S. Ich denk an Dich.